Text Aarticle
Schule um neun: später anfangen, besser lernen?
Seit September beginnt der Unterricht am Gymnasium Lindenfeld nicht mehr um acht Uhr, sondern erst um neun. Die Schule ist die erste in der Region, die so einen Versuch macht. Die Idee kam nicht von den Lehrern, sondern von einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern aus der Oberstufe.
„Im Winter war ich morgens immer total müde“, erzählt Mia Krüger, 17. „In der ersten Stunde konnte ich mich überhaupt nicht konzentrieren. Ich habe nur aus dem Fenster geschaut und ständig gegähnt.“ Zusammen mit drei Freundinnen hat sie eine Umfrage an der Schule gemacht. Das Ergebnis: Mehr als siebzig Prozent der Jugendlichen schlafen in der Woche weniger als sieben Stunden pro Nacht.
Für Dr. Jana Brandt, Ärztin in Lindenfeld, ist das keine Überraschung. „Der Körper von Jugendlichen funktioniert anders: Sie werden abends später müde und brauchen morgens mehr Zeit im Bett. Das hat nichts damit zu tun, dass sie faul sind.“ Jugendliche, die zu wenig schlafen, essen laut Dr. Brandt häufig mehr Zucker, bewegen sich weniger und werden schneller krank.
Nach den ersten drei Monaten sind die meisten zufrieden. Die Noten in Mathe sind etwas besser geworden, und weniger Schüler kommen morgens zu spät. „Früher habe ich in der Pause nur auf einer Bank gesessen und geschlafen“, lacht Jonas Weber, 16. „Jetzt spiele ich mit meinen Freunden Basketball.“
Doch nicht alle finden die Änderung gut. Weil der Unterricht jetzt eine Stunde später endet, kommen viele erst um halb fünf nach Hause. „Mein Training im Fußballverein beginnt um fünf. Ich habe kaum Zeit zum Essen, und für die Hausaufgaben bleibt nur der späte Abend“, sagt Leonie Schulz, 15. Auch für einige Eltern ist es schwierig: Sie müssen um acht bei der Arbeit sein und können ihre Kinder deshalb nicht mehr mit dem Auto zur Schule bringen.
Im Juni wird die Schule entscheiden, ob der neue Stundenplan bleibt. Die Direktorin, Petra Hoffmann, ist positiv: „Wenn die Ergebnisse so gut bleiben, würden wir gern weitermachen. Aber wir müssen auch an die Familien denken.“